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Einsamkeit als Feind der Demokratie

Das „Wissen geht raus – Kommune verbindet: Strategien gegen Einsamkeit und für eine starke lokale Demokratie“ vom 13. Mai beschäftigte sich mit dem Zusammenhang von Einsamkeit und Vertrauen in die kommunale Demokratie. Gemeinsam mit den Teilnehmenden aus Sozialplanung, Bibliotheken, Gesundheitsamt, dem Kommunalem Bildungsmanagement und dem Fachnetzwerk diskutierten wir Strukturen, Kooperationen und Strategien, um Einsamkeit zu erkennen und zu begegnen.  

Einsamkeit als gesellschaftliche Realität 

In vielen Kommunen – ob ländlich oder städtisch – zeigt sich Einsamkeit als gesellschaftliche Realität und Herausforderung. Sie wird unter anderem dort begünstigt, wo soziale Infrastruktur fehlt, Begegnungsräume verschwinden und Teilhabechancen ungleich verteilt sind.  

Für die lokale Demokratie bedeutet das: Sie braucht Orte, Strukturen und Gelegenheiten, in denen Menschen einander begegnen, Vertrauen aufbauen und Erfahrungen von Selbstwirksamkeit machen können.  

Kommunalverwaltung und Bildungsakteur:innen können hierfür wichtige Impulse setzen und notwendige Rahmenbedingungen schaffen: durch Bedarfsanalysen und die Entwicklung niedrigschwelliger Lern- und Begegnungsangebote, durch die Vernetzung lokaler Akteur:innen, den Aufbau verlässlicher Kooperationen, die sowie die Förderung einer Kultur der Teilhabe.   

Forschung und Praxisbeispiele 

Unser Referent Dr. Janosch Schobin (Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. / Kompetenznetzwerk gegen Einsamkeit) gab einen Einblick in den aktuellen Stand der Forschung zum Thema: Was macht Einsamkeit zu einer kommunalen Herausforderung – und zu einem demokratierelevanten Thema? Außerdem wurden in zwei Praxiseinblicken Ansätze zum Umgang mit Einsamkeit in der Kommune vorgestellt: Juliane Steffens und Dr. Anna Walther (Gesundheitsamt, Kreis Segeberg) gingen auf die Ergebnisse einer Umfrage ein, die das Einsamkeitserleben der Menschen im Kreis Segeberg zum Gegenstand hat und als Grundlage für weitere Planungen dienen soll. Gabriele Reichhardt (Strategische Sozialplanung, LandeshauptstadtStuttgart) stellte den strategischen Ansatz und das kooperative Zusammenwirken gegen Einsamkeit der Landeshauptstadt Stuttgart vor. 

Was nehmen wir mit 

  • Beziehungsqualität als Schlüssel

Jakob Schobin macht deutlich: Insbesondere junge Menschen, die sich nicht zugehörig fühlen, erleben Einsamkeit. Dazu trägt auch fehlende Qualität in Beziehungen und fehlende Beziehungsautonomie bei. Voraussetzung für gute Beziehungen ist ein funktionierender Ordnungsrahmen, der soziale Teilhabe und Anerkennung ermöglicht – etwa durch einen stabilen Wohnungsmarkt, ein hohes Sicherheitsgefühl im Lebensumfeld, Zugang zu nachbarschaftlichen Angeboten oder einen Kümmerer vor Ort.  

  • Einsamkeit als Risiko für die Demokratie 

Menschen mit hoher Einsamkeitsbelastung wählen seltener, partizipieren seltener an öffentlichen Angeboten und sympathisieren häufiger mit Verschwörungstheorien. Interpersonelles Vertrauen und Institutionenvertrauen korrelieren: Wer im Alltag keine tragfähigen, gleichwertigen Beziehungen erlebt, entwickelt auch kein Vertrauen in politische Institutionen. Einsame Menschen sind zudem, empfänglicher für extremistische Positionen.  

  • Politisches Commitment als Unterstützung 

Gabriele Reichard beschreibt den politischen Auftrag als zentrale Voraussetzung, damit die Umsetzung der Einsamkeitsstrategie gelingt. Auch wenn es in Stuttgart zu Beginn keine zusätzlichen finanziellen Mittel gab, hat das politische Commitment überzeugt – auch bei der Ansprache von Trägern.  

  • Von der Analyse zur Strategie 

Zur Strategieentwicklung hat die Landeshauptstadt Stuttgart sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch Partnerperspektiven und Betroffenenperspektive einbezogen. Grundlage für die Strategie war eine Angebotsanalyse. Der Kreis Segeberg hat aus dem Gesundheitsamt heraus eine kleinräumige Analyse der Ausgangslage und Herausforderungen im Bereich Einsamkeit auf Kreisebene umgesetzt. Diese Ergebnisse sollen genutzt werden, um gezielt Angebote für Zielgruppen zu entwickeln und die inhaltliche Passgenauigkeit von Angeboten zu reflektieren. 

  • Gemeinsam nicht allein 

Wirksame Strategien gegen Einsamkeit werden nicht am Schreibtisch entworfen. Sie entstehen prozesshaft, unter Einbeziehung von Partnerperspektiven, Betroffenenstimmen, Ehrenamt, Zivilgesellschaft und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Kommunen können hier eine entscheidende Rolle übernehmen, nicht als alleinige Problemlöser, sondern als Plattform. Sie bieten Bühne für unterschiedliche Formate der Beteiligung und vernetzen Angebote sektorenübergreifend. Bildungssteuerung muss Einsamkeit als Querschnittsthema begreifen – verknüpft mit beispielsweise Wohnen und Gesundheit.