Publikation

Nachgefragt – im Gespräch mit Dr. Meike Kricke und Barbara Pampe: Phase Zehn im Schulbau

Impulse aus der Praxis

21.08.2025

Zu sehen sind Meike Kricke und Barbara Pampe von den Montag Stiftungen

Die Planung und der (Um-)Bau einer Schule verlaufen in verschiedenen Phasen. Beginnend bei der Phase Null, in der ein pädagogisch-räumliches Konzept mit allen am Schulbau Beteiligten erarbeitet wird, über die Planung und bauliche Umsetzung bis hin zur Phase Zehn, in der die pädagogische Nutzung der neuen Räume in den Fokus genommen wird.

Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft haben ein Playbook zur Phase Zehn veröffentlicht. Es bietet fünf Schritte, um die Nutzung der neuen Räume mit der ganzen Schulgemeinschaft spielerisch zu erleben und zu gestalten. Wir haben mit den Vorständinnen Dr. Meike Kricke und Barbara Pampe über die Phase Zehn gesprochen.

Was genau ist die Phase Zehn – und wozu ist sie gut?

 

Die Phase Zehn beginnt dann, wenn viele denken, dass ein Schulbauprojekt endet – nämlich mit dem Einzug. Für die Schulgemeinschaft ist das der Moment, in dem etwas Neues beginnt. Wir nennen es auch die „pädagogische Inbetriebnahme“.

In dieser Phase geht es darum, sich das neue Gebäude gemeinsam als Lern- und Lebensraum zu erschließen, es zu erproben, zu entdecken und weiterzuentwickeln. Die Phase Zehn schließt damit den Kreis zur Phase Null – also zur Bedarfsermittlung in der frühen Planung eines Neu- oder Umbaus, in der die zukünftige Nutzung die Grundlage für die Konzeption bildet.

Die Phase Zehn ist somit auch ein Bindeglied zwischen der visionären Planung von Pädagogik und Raum und der schrittweisen konkreten Umsetzung nach dem Einzug – z.B. neuer Lernformen, Teamstrukturen oder Tagesabläufe im Zusammenklang mit den räumlich neu geschaffenen Potenzialen. Sie stellt sicher, dass die entwickelten Konzepte mit Leben gefüllt werden und dass die Möglichkeiten, die sie bieten, im Schulalltag ankommen.

Neben dem Raum und der Pädagogik spielen dabei auch organisatorische Veränderungen eine Rolle, die durch die neue, gemeinsame Nutzung von Räumen und Flächen notwendig werden. Unser „Phase Zehn Playbook“ zeigt beispielhaft, wie man so einen Prozess gestalten kann.

 

Wer muss wie in die Phase Zehn eingebunden werden?

 

Die ganze Schulgemeinschaft inklusive Schüler:innen, Leitung, Lehrkräften und weiteren pädagogischen Mitarbeitenden gehört genauso dazu wie die, die für den Bau, den Betrieb und die Organisation zuständig sind. Alle an Schule Beteiligten sind Expert:innen für ihren jeweiligen Bereich und können dazu beitragen, dass die gebauten Räume optimal genutzt werden. Deshalb ist natürlich auch die Zusammenarbeit und Abstimmung mit der Verwaltung vor Ort (Schulaufsicht, Schulträger, Brandschutz, Gebäudemanagement/Immobilienservice) zentral. Auch die Architekt:innen sind idealerweise mit dabei. Die Bausteine im Playbook geben Anregungen, wie die Partizipation aller gelingen kann.

Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, dass ein externes Team aus Pädagog:in und Architekt:in diesen Prozess begleitet, berät und steuert. So kann von außen ein Rahmen geschaffen werden, in dem sich alle Beteiligten mit ihrer Expertise, ihren Fragen und Anregungen einbringen können. Das geschieht zum Beispiel über Workshops, Expert:innenimpulse, Erprobungsphasen und natürlich auch Formate für die Kinder und Jugendlichen. Beteiligung in der Phase Zehn ist keine Kür, sondern für eine nachhaltig erfolgreiche und lebendige Nutzung essenziell. Wenn alle spüren, dass sie diese Räume selbst zum Leben erwecken und auch in Zukunft weiterentwickeln können, schafft das zusätzlich eine hohe Identifikation – für das Gebäude und für die Gemeinschaft.

 

Welche konkrete Rolle kommt der Kommunalverwaltung (z.B. dem Schulträger) in der Phase Zehn zu?

 

Eine zentrale Rolle. Die Kommune setzt den Rahmen für die Phase Zehn, stellt Ressourcen zur Verfügung – also Zeit, Räume, ggf. auch Budget –, koordiniert die Beteiligten, organisiert die Nachjustierung kleinerer baulicher Aspekte und sichert den Transfer von Erkenntnissen in zukünftige Projekte. Von einer gelungenen Phase Zehn profitiert die Kommunalverwaltung – genau wie die Schulgemeinschaft – erheblich. Kommunen, die in der Gestaltung ihrer Bildungsangebote mit den Nutzer:innen sowie Planer:innen und Architekt:innen gut zusammenarbeiten, werden in der Lage sein, ihren Standort nachhaltig und zukunftsfähig zu entwickeln.

 

Drei gute Hinweise zum Schluss: Welche Erfolgsfaktoren gibt es für die Umsetzung einer Phase Zehn und welche typischen Herausforderungen können vermieden werden? 

 

  1. Die Phase Zehn von Anfang an mitdenken. Die Beteiligung aus der Phase Null nicht nach der Phase Null beenden, sondern über den gesamten Prozess planen und nutzen.
  2. Klare Zuständigkeiten und Strukturen schaffen. Wer ist dabei, wer macht was, wann, wie lange? Was braucht es dafür, gibt es noch zusätzliches Budget für Justierungen oder zusätzliches Mobiliar etc. Dafür bietet das Playbook Anregungen.
  3. Eine offene Haltung einnehmen und sich für die Perspektiven der anderen Beteiligten interessieren. Die Möglichkeiten der veränderten Räume erkennen und nutzen. Das heißt auch: Herausforderungen nicht vermeiden, sondern suchen. Dafür ist die Phase Zehn da!

Die Phase Zehn bietet die Möglichkeit, die Potenziale der (Innen-)Architektur für die Pädagogik zu entdecken und zukunftsgerichtet weiterzuentwickeln. Denn eine Schule ist nie fertig – die Weiterentwicklung ist Teil der Pädagogik und somit auch der Nutzung der Räume und ihrer Organisation.

Zu sehen ist ein Mockup des Phase Zehn Playbook der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft
Projektwoche an einer Realschule. Zu sehen sind angemalte Kartons, die über einander gestapelt sind und die ein Regal symbolisieren. Darüber ist mit Klebeband das Wort Licht geschrieben.
Projektwoche an einer Realschule. Zu sehen sind Jugendliche, die vor einer rosa Wand sitzen und sich Bilder anschauen, die an der Wand befestigt sind.