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Jung und erwünscht – warum Jugendorte wichtig sind

09.09.2026

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Junge Menschen werden im öffentlichen Raum oft als störend wahrgenommen: zu laut, zu unangepasst etc. Dabei brauchen auch Jugendliche Orte, an denen sie sich treffen und einfach sie selbst sein können ohne verdrängt, pädagogisch betreut oder reglementiert zu werden. Und tatsächlich profitieren von solchen Jugendorten nicht nur die Jugendlichen selbst.

Besuch in Berlin-Blankenburg – wie ein Jugendort aussehen kann

Am 19. und 20. August fand unsere Werkstatt für Kommunen zum Thema „Jung, laut, unerwünscht?! Räume nach den Bedarfen von Jugendlichen entwickeln – Prozessgestaltung für Kommunalverwaltungen“ statt.

Wie ein Ort aussehen kann, der den Bedarfen von Jugendlichen entspricht, konnten sich die Teilnehmenden am Nachmittag des ersten Veranstaltungstages selbst anschauen. Bei einem Besuch in der Parkanlage Ilsenburggraben in Berlin-Blankenburg erfuhren sie im Gespräch mit Andreas Weingart von Outreach.Berlin und Tina Hofmann, Fachkraft für Kinder‑ und Jugendbeteiligung und politische Bildung im Bezirksamt Pankow, noch mal ganz anschaulich: Warum sind Jugendorte so wichtig? Welche Hürden gibt es? Und welche Gelingensbedingungen, um einen Jugendort umzusetzen?

Parkplätze und Bushaltestellen – was Jugendliche sich wirklich wünschen

Der Vor-Ort-Besuch machte auch die theoretischen Impulse der Referentinnen vom Vormittag greifbar. Johanna Okroi, Referentin der DKJS, stellte Auszüge aus dem Teilhabeatlas vor und machte deutlich: Jugendliche sind keine homogene Gruppe, ihre Teilhabemöglichkeiten und Bedarfe richten sich u. a. nach ihrem Wohnort und ihren Lebenslagen, aber auch nach Alter, familiären Kontexten und Gender.

Stadtentwicklerin Mary Dellenbaugh-Losse (urban.policy), beschrieb Jugendliche als sogenannte „Lückenkinder“. Für den Spielplatz sind sie oft zu alt, für Clubs und Gaststätten zu jung. Ausgezeichnete Jugendorte gibt es noch nicht viele, denn anders als Kinderspielplätze, haben Jugendorte keine Rechtsgrundlage. Jugendliche eignen sich deshalb Orte wie bspw. Parkplätze, Bushaltestellen, Kinderspielplätze am Abend oder Shopping Malls an, um sich zu treffen.

Dabei haben Jugendliche keineswegs überzogene Ansprüche. Wie Mary Dellenbaugh-Losse in ihrem Vortrag darlegte, wünschen Sie sich einen Ort,

  • der gut und selbstständig zu erreichen ist
  • einen Regenschutz bietet und beleuchtet ist
  • an dem es Sitzgelegenheiten gibt,
  • Mülleimer und im Idealfall noch WLAN gibt
  • mit einem Supermarkt oder einem Kiosk für günstige Snacks in der Nähe
  • der sicher ist, das heißt nicht zu abgelegen. Erwachsene sollten theoretisch in Reichweite sein
  • der auch die Möglichkeit bietet, zu sehen und gesehen zu werden.

Mary Dellenbaugh-Losse machte deutlich: Die Qualität eines Jugendortes ist entscheidend für seine Nutzung. Wenn ein Jugendort nicht angenommen wird, dann zeigt das Planenden und ggf. auch Politik, dass es die Mühe und die Fläche nicht wert ist. Das kann auch Konsequenzen für künftige Planungen von Jugendorten haben.

Arbeiten am eigenen Vorhaben – Einblick in die Erkenntnisse der Kommunen

Am zweiten Werkstatt Tag arbeiteten die Teilnehmenden an ihren eigenen Fragestellungen. Sie sammelten Akteur:innen und Gremien und überlegten, wie diese dem Vorhaben gegenüberstehen, wer Unterstützer:in und wer Skeptiker:in ist und welche Gremien besucht werden sollten, um das eigene Vorhaben voranzubringen.

Aufbauend auf der Gremien- und Akteur:innenanalyse wurden erste Prozessentwürfe mit kleinen und großen Schritten entworfen. Diese dienen nun als Grundlage zur Weiterarbeit in der eigenen Kommune. In Phasen des kollegialen Austauschs wurden Erkenntnisse zusammengetragen, etwa…

  • Die Qualität der Beratungs- oder Beschlussvorlagen kann einen Einfluss auf Entscheidungen für oder gegen einen Jugendort haben.
  • Maßnahmen fest zu schreiben, beispielsweise im Jugendförderplan, gibt dem Vorhaben eine solide Grundlage.
  • Daten als Argumentationsgrundlage nutzen (etwa den Teilhabeatlas), um gefühlte Wahrheiten zu belegen.
  • Es lohnt die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Akteur:innen herausarbeiten und deutlich zu machen: Wir sitzen im selben Boot.
  • Dilemma kennen und aushalten, überlegen „Was ist der bestmögliche Zustand, den ich erlangen kann?“
  • Klein Anfangen und Vorhaben pilotieren, anschließend auswerten und anpassen.

Bei der der methodischen Umsetzung haben wir uns vom Change Guide für mutige Kommunen der Initiative Kommune 360° inspirieren lassen. Die ausführlichen Anleitungen für die Methoden finden Sie hier: Methoden-Set.